Empfehlungen zur Durchführung uroradiologischer Untersuchungen


1                   Ausscheidungsurogramm

 

Strahlenschutz          bei männlichen Personen Gonadenschutz (Hodenkapsel)

                                    Nutzstrahlung durch Blenden so weit als möglich einblenden

                                    Verzicht auf Doppeluntersuchungen

 

Zentralstrahl               Nabel – bei adipösen Patienten in Höhe Beckenkamm

 

Filmgröße                  35 x 43 mm

 

Lage                           Rückenlage (bei speziellen Fragestellungen Bauchlage, evtl. Schräglage)

 

Besonderheit            Symphysenoberkante bildet Bildunterrand

 

Kontrastmittel            jodhaltig, nicht-ionisch

                                   

                                    1 ml/kg Körpergewicht

 

                                    bei übergewichtigen Patienten max. 100 ml

                                    bei Kindern Dosierung entsprechend des Alters

1.      Lebensjahr      3 ml/kg KG (min. 12 ml; max. 20 ml)

2.      Lebensjahr      2,5 ml/kg KG (max. 20 ml)

3.      Lebensjahr      1,5 ml/kg KG (max. 25 ml)

Ab 4. Lebensjahr 1,0 ml/kg KG

 

Applikation als körperwarme Spritze i.v. innerhalb von 1-2 Minuten

 

Aufnahmezeiten            Erwachsene

Leeraufnahme

 

                                    7 min und 15 min p.i.

 

                                    Stehendaufnahme (falls nicht schon vorliegend)

 

                                    Kinder

                                    Leeraufnahme nur bei besonderer Indikation (zB. Konkrement)

 

                                    15 min p.i.

 

Besonderheiten            urographisch stumme Niere und Harnabflußstörung erfordern weitere Aufnahmen

                                    Blasenaufnahme nach Entleerung und evtl. Schrägaufnahmen je nach Fragestellung

 


2                   Nephrostomogramm

 

Strahlenschutz          siehe 1

                                               Schutz des untersuchenden Personals

 

Zentralstrahl               Durchleuchtungsuntersuchung

                                    Alternativ Harntrakt einseitig; betreffende Niere

 

Filmgröße                  20 x 43 mm

 

Lage                           Rückenlage

 

Besonderheit            Symphysenoberkante bildet Bildunterrand

 

Kontrastmittel            jodhaltiges Kontrastmittel (ca. 50 ml)

                                   

 

Aufnahmezeiten            Leeraufnahme

 

                                    Während der Infusion Durchleuchtung

 

Am Ende der Infusion, evtl. spätere Aufnahmen

 

                       

Besonderheiten            KM-Gabe als Infusion in den Nephrostomie-Schlauch 15 cm., maximal 20 cm Höhe des Flüssigkeitsspiegels über der Niere

 


3                   Miktionszysturethrogramm

 

 

Die  Miktionszystourethrographie (MCU) (Einzeluntersuchung oder als Kombination mit der urodynamischen Messung als Videourodynamik) dient zur Differenzierung und Lokalisation der Obstruktion bei Verdacht auf Reflux und/oder funktionelle oder kombiniert mechanisch/funktionelle Obstruktion

 

Strahlenschutz          siehe 1

                                               Schutz des untersuchenden Personals

 

Zentralstrahl               Symphyse zur Harnröhrendarstellung

                                    Nabel zur Refluxprüfung (Durchleuchtungsuntersuchung)

 

Lage                           Rückenlage

                                    Miktionsaufnahme in Lauenstein-Position bei Knaben/Männern

 

Kontrastmittel            jodhaltiges Kontrastmittel entsprechend Blasenvolumen

                                    Applikation über Infusionsflaschen bzw. Spritze bis Blasen-völlegefühl bzw. Miktionsdrang vorliegt

                                    Applikation des KM über Harnröhrenkatheter bzw. nach Blasenpunktion

                                   

Aufnahmezeiten Untersuchung unter Durchleuchtungskontrolle (bevorzugt gepulste Durchleuchtung), Verwendung der Last-image-hold Funktion zur Bildspeicherung

 

Zur Refluxprüfung Durchleuchtungskontrolle unter Füllung der Harnblase

                                    Bei voller Blase rechts und links schräg sowie Abdomenübersicht

                                    Höhepunkt der Miktion

 

                                                           

Besonderheiten            zur Urethradarstellung evtl. Entfernung des Gonadenschutzes,

 

 

Bewertung                 Harnleiter (Darstellung, Refluxgrad nach der Internationalen Refluxgradeinteilung)

                                    Harnblase (Konfiguration, Divertikel, Deszensus, Blasenboden)

                                    Harnröhre (siehe 5)

 

 


4                   Retrograde Uretero-/Pyelographie

 

Durchführung            unter OP-Saal-Bedingungen unter Durchleuchtungskontrolle

 

Strahlenschutz          siehe 1

                                    Schutz des untersuchenden Personals

 

Zentralstrahl               betreffender Ureter/Niere

 

Lage                           Rückenlage

 

Kontrastmittel            jodhaltiges Kontrastmittel (ca. 3 – 10 ml)

 

Aufahmezeiten          sofort oder während der Injektion

 


5                   Urethrozystogramm

 

 

Die retrograde Urethrographie/Zysturethrographie erfolgt bei Verdacht auf eine mechanische Enge der Urethra.

 

 

 

Strahlenschutz          siehe 1

                                    Schutz des untersuchenden Personals

 

Zentralstrahl               Symphyse

 

Kontrastmittel            jodhaltiges Kontrastmittel (ca. 30 ml)

 

Aufnahmezeiten            Leeraufnahme

                                   

                                    KM-Applikation unter Durchleuchtungskontrolle

 

Lagerung                   Lauenstein-Lage

 

Besonderheit                        Gonadenschutz prüfen u. evtl. entfernen

Füllung des Kontrastmittels über sterilen Einmalkatheter; Ballon in der Fossa navicularis beblockt (1,5 ml)

 

Bewertung                 Leeraufnahme – Beurteilung des Beckens (knöchernes Becken, Fremdkörper, Verschattungen, Traumatische Läsion)

 

Beurteilung der Harnröhre in ihren Abschnitten (penil, bulbär, membranös, prostatisch) nach Kaliber (normal, erweitert, eingeengt), Wandkontur (glatt, unregelmäßig, Aussparungen)

Besonderheiten (Striktur, Divertikel, prostatischer Influx, traumatische Läsion)


6                   Kolpozysturethrogramm (KPZU)

 

 

Das seitliche Kolpfzystourethrogramm mit Harnröhrenmarkierung in Ruhe und unter Pressen, evtl. gefolgt vom Miktions-Cysto-Urethrogramm (alternativ die perineale funktionelle Sonographie) dient zum Nachweis oder Ausschluß möglicher pathomorphologischer Faktoren, wie z.B. ein rotatorischer oder vertikaler Descensus, ein offener Blasenhals oder eine Blasenhalshypermobilität.

 

Indikationen               funktionelle Harninkontinenz

                                               Rezidiv der Harninkontinenz

                                   

Strahlenschutz          siehe 1

 

Zentralstrahl               Trochanter major

 

Kontrastmittel Harnblase – 50 ml jodhaltiges Kontrastmittel + 50 ml NaCl-Lsg. 0,9%

 

                                    Vagina – Barium-Sulfat-Benetzung

 

                                    Urethra – Hodgkinson-Kette

 

                                    Rektum – evtl. jodhaltiges Kontrastmittel (bei Frage Rektumprolaps)

 

Aufnahmezeiten        Ruhe

 

                                    Beim Kneifen (Beckenbodenkontraktion)

 

                                    Beim Pressen (Stress-Situation)

 

Lagerung                   streng seitlich einstellen

 

Bewertung                 Blasenhals, Blasenmorphologie u. Harnblasen-Becken-Beziehung

                                    Deszensus in Ruhe und Funtion

                                    Rektozele

                                    Adhäsionen zwischen Urethra-Vagina-Harnblase; Scheidenverlauf

 

Funktionsuntersuchung mit Beurteilung der Winkel (Inklinationswinkel, hinterer Urethrovesikalwinkel): bei Kneifen Hebung des Beckenbodens ? beim Pressen Tiefertreten des Meatus urethrae internus im Vergleich zur Ruhe ?

 


7                   Miktionsurosonographie (MUS)

 

 

 

Die Miktionsurosonographie dient dem Nachweis bzw. Auschluß des vesikorueterorenalen Refluxes.

 

 

Indikationen               siehe MCU

                                   

Kontrastmittel Harnblasenfüllung mit NaCl. Zugabe eines Echosignalverstärkers (z.B. Levovist, Sonovue, Luft) 

 

 

Lagerung                   Rücken- und Bauchlage

 

Vorgehen                   Nach Basissonographie Füllung der Harnblase (über transurethralen Harnblasenkatheter oder nach suprapubischer Punktion) mit physiologischer Kochsalzlösung über Infusionsflasche oder direkte Injektion, bis Miktionsdrang vorliegt bzw. eine volle Blasenkapazität erreicht ist.

                                    Kontrastmittelapplikation unter sonographischer Kontrolle.

                                    Sonographische Kontrolle in Bauch- und Rückenlage.

                                    Sonographie unter Miktion

 

Kontrastmittel Levovist 300mg/ml – 5-10% des Blasenvolumens

 

Aufnahmen                vor Kontrastmittel Harnblase und Nieren in 2 Ebenen von ventral und/oder von dorsal

 

Dokumentation Nieren von ventral und dorsal bei Blasenfüllung mit NaCl und Echosignalverstärker sowie bei Miktion

 

Bewertung                 Beurteilung der Harnblase, Wand, Retrovesikalraum, Hydroureter. Nierenparenchym, Volumetrie der Nieren, Nierenbecken

 

Refluxnachweis, wenn echoreiche Mikrobläschen sich im Harnleiter oder im Nierenbecken bzw. intrarenal nachweisen lassen.

 

 

8            Endorektales MRT der Prostata

 

Die MRT der Prostata dient der hochauflösenden Untersuchung der Vorsteherdrüse zum Nachweis von Tumoren zur Beurteilung über deren Ausdehnung innerhalb der Prostata und über die Organgrenzen hinaus.

 

Indikationen               Auffälliger sonographischer Befund

                                    Abklärung eines erhöhten PSA-Wertes

                                    Staging-Untersuchung

 

Technische Voraussetzungen

                                    Magnetfeldstärken: 1,0 T; 1,5 T; (3 Tesla)

                                    Phased-Array-Body-Coil

                                    Endorektalspule

z.B. Einmalspule der Fa. Medrad Pittsburgh für Siemens MRT bzw. wiederverwendbare Endospule bei Philips Geräten

 

Kontraindikationen der Endorektalspule

                                    Komplizierte Hämorriden

                                    Chirurgischer Eingriff am Analkanal oder am Rektum

                                    Floride Enddarmentzündung

                                    Komplizierte Analfisteln

 

Patientenvorbereitung

                                    Klistier (2 Microyclyst) eine Stunde vor der Untersuchung

 

Untersuchungsgang

                                    Einbringen der Endorektalspule in Seitenlage

                                    Wechsel in Rückenlage

                                    Gabe von 2ml Buscopan i.v. zur Ruhigstellung der Darmperistaltik

 

Sequenzen                schnelle T1- und T2-gewichtete Sequenzen mit Schichtdicken von 3mm, FOV 140-160mm

 

-         TSE T2w axial – Orientierung Mitte Harnblase bis Bulbus penis

-         TSE coronal oder schräg coronal gekippt entlang der Iliakal-Gefäße; Mitte Harnblase bis Rektum unter Einschluss des Diaphragma urogenitale, FOV 200mm

-         Fakultativ: TSE T2w sagittal bei V.a. Samenblaseninvasion

 

-         TSE T1 axial – Orientierung Mitte Harnblase bis Bulbus penis

 

-         T1 axial über das große Becken zur Lymphknotendarstellung (SD 7mm, FOV 300mm)

 

-         Kontrastmittelgabe (0,1mmol/kg KG GdDTPA) fakultativ bei V.a. entzündliche Veränderungen oder zur Rezidivdiagnostik nach radikaler Prostatektomie

 

-         Fakultativ: Schnelle T1w GRE-Sequenz mit dynamischer Kontrastmittelgabe zur Erkennung gefäßreicher, vorwiegend entdifferenzierter Karzinome

 

-         Fakultativ: 1 Voxel oder 3D CSI Spektroskopie