Entwurf
zur strukturierten Weiterbildung veröffentlicht
am 23.11.2007)
Kopf- und Hals- Radiologie (einschließlich Maxillofazialer und
Dentaler
Radiologie) |
Präambel
Grundlage des Entwurfs ist die "European Training Charter
for Clinical Radiology" der European Association of Radiology
(EAR) in der Fassung vom November 2005 (Kapitel „Head and
Neck Radiology, S. 28-30).
Die Gliederung und Inhalte des Abschnitts "Detailed Curriculum
For The Initial Structured Common Programme" sollen möglichst
unverändert auch in Deutschland gelten. Substanzielle Abänderungen
betreffen lediglich die Anwendungsgebiete der Sonographie, die
im Curriculum auf die in Deutschland leitliniengemäß definierten
Indikationsgebiete beschränkt sind. Außerdem ist das
Curriculum bei der Diagnostik der Schilddrüse auf die Vermittlung
von Grundwissen beschränkt, da in diesem Bereich derzeit vorwiegend
nuklearmedizinische Methoden angewendet werden. Auch auf die Anforderung
von praktischen Erfahrungen in interventionellen Methoden im Kopf-Halsbereich
(Biopsie, Therapie) wurde für die Basisausbildung verzichtet.
(Anmerkungen
zur Übertragung: "to know" wird bzgl. radiologisch-diagnostischer Methoden
mit "allgemeine Kenntnisse", bzgl. klinischen oder pathologischen
Wissens als "Grundwissen" übersetzt)
1. Einführung
Das Curriculum Kopf- und Hals-Radiologie beinhaltet das Erlernen
- Klinische Grundlagen der allgemeinen Kopf- und Hals-Radiologie
einschließlich der Maxillofazialen und Dentalen Radiologie
- methodischer Aspekte und der adäquaten Nomenklatur zur
Befundung
Allgemeine
Aspekte der physikalischen Grundlagen und der Kontrastmittel
werden in anderen Kursen vermittelt und sind deshalb nicht Bestandteil
dieses Curriculums. Allerdings sollten spezielle Aspekte der Röntgentechnik
bei der Anwendung im Kopf-Halsbereich in diesem Curriculum besprochen
werden, wenn sie nicht Bestandteil des allgemeinen Kurses zu Physikalischen
Grundlagen bzw. der Röntgentechnik sind. Hierzu zählen
insbesondere:
- die Einstelltechnik für Projektions-Röntgenaufnahmen
bei Erwachsenen und Kindern
- Strahlenschutzaspekte, insbesondere Kenntnis der Effektiven Dosis
und relevanter Organdosen bei den häufigsten Untersuchungen
- Prinzipien der digitalen Bildverarbeitung in Verbindung mit der
Kopf-Hals-, Maxillofazialen und Dentalen Radiologie
2. Basiswissen
2.1. Normale Anatomie
-
Schläfenbein
- Gesichtsschädel, Schädelbasis und Hirnnerven
- Orbita, Sehnerven und visuelle Bahnen
- Sinunasalraum
- Pharynx
- Mundhöhle
- Larynx
- Hals
- Unterkiefer, Zähne, Kiefergelenk
- Speicheldrüsen
- tiefe Halsfaszien
- Zervikothorakaler Übergang, Armplexus
- Schilddrüse, Nebenschilddrüsen
2.2.
Schläfenbein
-
Grundwissen der klinisch-pathologischen Verhältnisse bei
Taubheit
- Grundwissen der Klinik und allgemeine Kenntnisse der CT- und
MRT-Diagnostik bei:
- Entzündlichen Erkrankungen des Schläfenbeins
- Frakturen des Schläfenbeins
- Tumoren des Schläfenbeins und des Kleinhirnbrückenwinkels
- Grundwissen des vaskulär bedingten Tinnitus
2.3. Gesichtsschädel, Schädelbasis, Gehirnnerven
- Klinisch-pathologisches Grundwissen und allgemeine Kenntnisse
der CT- und MRT-Diagnostik bei:
- Entzündlichen Veränderungen
- Tumoren und tumorähnlichen Veränderungen
- Trauma und hierdurch bedingten Komplikationen
- den wichtigsten pathologischen Veränderungen, die die Hirnnerven involvieren
2.4.
Orbita und Sehnerven
-
Klinisch-pathologisches Grundwissen über:
- orbitale Erkrankungen
- Erkrankungen der Sehbahn
2.5.
Sinunasalraum
- Klinisch-pathologisches Grundwissen und allgemeine Kenntnisse
der CT- und MRT-Diagnostik bei:
- Anatomischen Varianten des Sinunasalraumes
- Entzündlichen, tumorösen und tumorähnlichen Erkrankungen
- Grundwissen zur heute üblichen OP-Technik (functional endoscopic sinus
surgery FESS)
2.6. Pharynx
-
Klinisch-pathologisches Grundwissen und allgemeine Kenntnisse der
Ultraschall-, CT- und MRT-Diagnostik bei Erkrankungen des:
- Nasopharynx
- Oropharynx
- Hypopharynx
2.7. Mundhöhle
-
Klinisch-pathologisches Grundwissen und allgemeine Kenntnisse
der Ultraschall-, CT- und
MRT-Diagnostik und der Videofluoroskopie
bei Erkrankungen der Mundhöhle
2.8. Larynx
- Klinisch-pathologisches Grundwissen und allgemeine Kenntnisse
der CT- und MRT-Diagnostik bei Erkrankungen des Larynx
2.9. Hals
- Klinisch-pathologisches Grundwissen und allgemeine Kenntnisse
der Ultraschall-, CT-, und MRT-Diagnostik sowie angiographischer
Verfahren bei:
- kongenitalen, entzündlichen, traumatischen, tumorösen und tumorähnlichen
Erkrankungen
- posttherapeutischen Veränderungen in der Tumornachsorge
2.10.
Kiefer, Zähne, Kiefergelenk
-
Klinisch-pathologisches Grundwissen und allgemeine Kenntnisse
der Orthopantomographie,
CT- und MRT-Diagnostik und des Zahnröntgens
bei Erkrankungen des Unterkiefers
- Grundwissen zu dentalen Implantaten und allgemeine Kenntnisse
des Dental-CT
- Klinisch-pathologisches Grundwissen bei Erkrankungen des Kiefergelenks
2.11. Speicheldrüsen
-
Klinisch-pathologisches Grundwissen und allgemeine Kenntnisse
der Ultraschall-, CT- und
MRT-Diagnostik und der MR-Sialographie
bei entzündlichen und tumorösen Erkrankungen der Speicheldrüsen
- Klinisch-pathologisches Grundwissen und allgemeine Kenntnisse
Ultraschall-, Doppler-Sonograohie-, CT- und MRT-Diagnostik bei
Veränderungen in der Nachbarschaft der Speicheldrüsen
2.12. Tiefe Halsfaszien
-
Klinisch-pathologisches Grundwissen der häufigsten Erkrankungen
im Bereich der tiefen Halsfaszien supra- und infrahyoidal
2.13. Zervikothorakaler Übergang und Armplexus
-
Klinisch-pathologisches Grundwissen der häufigsten Erkrankungen
im Bereich des zervikothorakalen Übergangs und des Armplexus
2.14. Schilddrüse und Nebenschilddrüsen
-
Klinisch-pathologisches Grundwissen und allgemeine Kenntnisse
der Ultraschall-, Doppler-Sonographie-,
CT- und MRT-Diagnostik
bei Erkrankungen der Schilddrüse und der Nebenschilddrüsen
3.
Technische Aspekte, Kommunikation und Diagnosefindung
Mindestzahl diagnostischer Prozeduren:
Röntgen Nasennebenhöhlen, Schädel und Spezialaufnahmen:
50
CT Kopf-Hals: 100
MRT Kopf-Hals: 50
Sonographie Kopf und Hals: 50
3.1.
Am Ende des fünften Jahres soll der Fortzubildende Arzt
folgende Untersuchungen nach den Regeln der Kunst selbstständig
durchführen oder überwachen können. Die Kenntnisse
und Fähigkeiten beinhalten eine Überprüfung und
Beurteilung der rechtfertigenden Indikation der Untersuchung zum
Schutz des Patienten.
-
Projektionsradiographie der Nasennebenhöhlen, des Schädels
und Spezialaufnahmen
- Untersuchungen des Schluckakts, einschließlich dynamischer
Funktionsuntersuchungen
- Orthopantomographie (OPG)
- Sonographie des Halses und der Speicheldrüsen
- CT des Gesichtsschädels, der Schädelbasis und des Halses
- MRT des Gesichtsschädels, der Schädelbasis und des
Halses
- Angiographie (katheterbasierte DSA und schnittbildbasierte Methoden)
der Halsgefäße
3.2.
Am Ende der Ausbildung sollte der Fortzubildende Arzt über
folgende Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen:
3.2.1. Erstellung strukturierter und schlüssiger Befundberichte.
Die Berichte sollten eine kurze Beschreibung der Befunde sowie
deren Wertung in Bezug auf die klinische Symptomatik enthalten.
3.2.2. Empfehlung der am besten geeigneten Untersuchungsmethode
an den zuweisenden Arzt
3.2.3. Demonstration der relevanten Befunde im Rahmen einer klinischen
Konferenz
3.2.4. Diskussion
wichtiger und unerwarteter Befunde mit dem zuweisenden Arzt und
erkennen, wann die Situation eine aktive Kontaktaufnahme
mit dem zuweisenden Arzt erfordert.
|